Karate-Do Graz
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Karate-Do und Resilienz


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KARATE-DO SHOTOKAI

In unserer leibtherapeutisch (Leib = Einheit von Körper, Seele und Geist) orientierten Gruppe wird neben Atem-, Zentrierungs-, Dehnungs- und Kräftigungsübungen das KARATE-DO-SHOTOKAI geübt, eine im deutschsprachigen Raum fast unbekannte japanische Kampfkunst.

Man kann diese als weiche und doch dynamische Kunst der Selbstverteidigung bezeichnen; im Shotokai wird besonders auf die Entwicklung des KI als fließende Lebensenergie geachtet. Es gibt keinen Wettkampf, das Ziel der Partnerübungen ist die Harmonie zwischen den Übenden.

Entstanden ist diese Ausprägung des Karate-Do in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts: Prof. Gichin Funakoshi (1867-1957), „der Vater des modernen Karate-Do“ bestimmte seinen Schüler Shigeru Egami (1912-1981) zu seinem persönlichen Nachfolger. Dieser war in jungen Jahren ein sehr starker und wilder Karatekämpfer, lernte aber durch Meister Funakoshi, dass neben dem körperlichen Training Karate-Do im wesentlichen ein seelisch-geistiger Weg ist, der zu innerem und äußeren Frieden beitragen soll. Ausgehend von den Erfahrungen des Älterwerdens und schwerer Krankheit wurde Sensei (Lehrer, Meister) Egami in seiner Weiterentwicklung des Karate-Do unter anderem von Ideen des Aikido beeinflusst, was sich z.B. in der weichen und fließenden Ausführung der Shotokai-Techniken zeigt. Wesentlich war für Egami die philosophische Weiterentwicklung des Karate-Do im Sinne Funakoshis; Meister Egami betont neben dem „BUDO“ (Weg der Kampfkünste) das „HEIHO“ (Weg des Friedens):

„Obwohl man sagen kann, dass es bestimmte Gruppen in den USA und in Europa gibt, deren Hauptziel es ist, die östliche Seele zu verstehen, um gegen die Ausweglosigkeit, die durch die materialistische Zivilisation entstanden ist, anzukämpfen und die ebenso die geistige Einstellung des Karate betonen, so ist die traurige Wahrheit dennoch, dass viele Stile nur das Kämpfen lehren und die geistigen Aspekte vernachlässigen. Sie sprechen von Förderung eines unbezwinglichen Geistes, welches an und für sich lobenswert ist, aber wir müssen an die Folgen denken, wenn dieser Geist missbraucht wird. So wie im Fall eines Rowdys oder eines Verrückten, der mit einem Messer, einer Pistole oder anderen Waffen auf unschuldige Menschen losgeht, die Auswirkungen werden ausschließlich fatal sein.

Erwähnt werden sollte auch, dass die Kinofilme und das Fernsehen nicht nur das öffentliche Ansehen des Karate, sondern auch die Kunst selbst negativ beeinflusst haben.

Die Relevanz davon für das Karatetraining und das Üben ist, dass sie in Wirklichkeit Wege sind, das Wesentliche des menschlichen Wesens nachzuvollziehen und zu erforschen.

Mitgefühl und Rücksicht auf andere sind alltägliche Wörter, oft verwendet, aber sie wirklich in die Tat umsetzen, ist äußerst schwierig. Bevor man irgendeine Aktion setzt, ist es von großer Wichtigkeit, nicht nur die Position der anderen Person in Betracht zu ziehen, sondern sie voll und ganz zu verstehen. Tatsächlich wird man, wenn man zu einem perfekten Verständnis des Standpunktes des anderen gekommen ist, eine Einheit mit ihm erreichen, und Wörter wie Sieg und Niederlage werden als bedeutungslos angesehen werden. Das ist das wahre Geheimnis des Karate – mit einem Gegner eine Einheit zu sein. Und wenn das erreicht ist, dann wird das Verständnis, dass menschliche Wesen dazu da sind, miteinander zusammenzuarbeiten, zu deinem eigenen werden. Das Üben wird nie zu Ende sein, bis dieser geistige Zustand erreicht ist.

Mit dem körperlichen Training beginnend wird das Üben mit dem Training des Geistes fortgesetzt. Schlussendlich erkennt man, dass Körper und Geist nicht getrennt sind, sondern zusammengehören. Das ist das wahre Üben.“

Zu Fragen der Selbstverteidigung erzählt Meister Egami eine Begebenheit aus seinem Leben:

„Eines Tages, als ein Freund und ich etwas trinken waren, wurden wir von einer Gruppe von etwa zehn Rowdys, die offensichtlich Ärger suchten, eigekreist. Ich sah mir diese Männer, die plötzlich zu meinen Gegnern geworden waren, sofort genau an und suchte nach einer offenen Stelle, die es mir ermöglichen würde, diese Umkreisung zu durchbrechen. Sogleich jedoch fragte ich mich, welchen Sinn es hätte, zu kämpfen. Gewinnen oder verlieren – da würde es keine Selbstachtung geben. Selbst wenn ich den Kampf gewinnen würde, wäre es eine Schande und ich wäre der Verlierer.

Wenn solch eine Situation in meiner Jugend passiert wäre, hätte ich die Initiative ergriffen, zuerst anzugreifen und meine Gegner so zu überraschen. Diesmal suchte ich, während ich ruhig blieb, eine Lösung, die jeden unverletzt lassen würde. Ich bin froh berichten zu können, dass es mir möglich war, die Bande vom Kämpfen abzubringen. Das war der Zeitpunkt an dem ich erkannte, dass ich erfolgreich war, mich von der Welt des Kämpfens loszumachen, obwohl ich noch immer überzeugt war, dass meine Kräfte und Fertigkeiten auf einer so hohen Stufe waren, dass ich nicht gegen so junges Blut verlieren würde“(S.Egami, 1976)

„Shoto war der Künstlername von Prof. Funakoshi, der neben seinem Beruf als Lehrer an einer pädagogischen Hochschule und dem Karate-Do auch dichtete und malte. „Shoto“ meint „Kiefern, welche im Wind rauschen“. „Sho“, die Kiefer, steht für die Idee einer verwurzelten und unbeweglichen Kraft, „to“ meint das In-Bewegung-Setzen dieser Kraft.

Gegen Ende der dreißiger Jahre gaben die Schüler von Sensei Funakoshi dem ersten Karate-Dojo (Übungshalle) den Namen „Shotokan“ – „Haus der Shoto“ = „Haus des Funakoshi“. Parallel dazu wurde der „Verband des Shoto“ = „Shotokai“ gegründet, der die Aktivitäten im Dojo (Shotokan) leitete, in dem man den Stil von Meister Funakoshi „Shotokan Ryu“ zu nennen begann („Schule des Hauses von Shoto“).

Daneben entwickelten sich auch andere Karate-Stile wie Goju-Ryu, Wado-Ryu, Kyuko-Shin-Kai, Shito-Ryu, das Shotokan wurde weltweit die verbreitetste Stilrichtung.

Nach dem Tod von Gichin Funakoshi (1957) spaltete sich das Shotokan-Ryu in mehrere Verbände, am bekanntesten wurde die Japan-Karate-Association (JKA), die Karate-Wettkämpfe einführte. Daneben gibt es z.B. die Vereinigung von Meister Kanazawa (SKID), einem der hervorragendsten (ehemaligen) JKA-Karatelehrer, und andere Verbände.

In Europa entgingen die meisten Länder diesen Streitigkeiten durch die Integration der verschiedenen Stilrichtungen in jeweils einen nationalen Karateverband; in Österreich ist dies der Österreichische Karatebund (ÖKB), dem auch wir angehören.

Meister Egami lehnte die wettkampfsportliche Entwicklung der JKA an, er gab dem Stil, den er weiter entwickelte, den Namen „Shotokai“, dieser Stil wurde von zwei Egami-Schülern in Europa verbreitet (die Meister Harada und Murakami), allerdings nicht im deutschsprachigen Raum. Auch im Shotokai-Karate, das in Europa am stärksten in Frankreich verbreitet ist, wurden besonders nach dem Tod von Meister Murakami (1987) mehrere Verbände gegründet.

Vor einigen Jahren stieß ich durch einen Fachartikel auf den Shotokai-Meister Yves Ayache aus Paris, der langjähriger Schüler von Meister Murakami war.

In Anlehnung an die Association von Yves Ayache (KI-SEI-KAI) gab ich unserer Gruppe zunächst den gleichen Namen, er drückt prägnant das Ziel unseres Übens aus: „Gruppe zur Entwicklung der Lebenskraft“.

Mittlerweile gehören wir dem wahr­scheinlich größten internationalen Shotokai-Verband an: AKSER Inter­national (Association Internationale Karate-Do Shotokai Egamiryuâ). Wir haben mittlerweile unseren Vereins­namen auf „Karate-Do-Shotokai Graz“ geändert.

Der Präsident von AKSER International, Sensei William A. Schneider, kann als der Altmeister des Karate-Do-Shotokai ange­sehen werden, er übt Karate-Do seit über 50 Jahren und ist mit seinen 70 Lebens­jahren beeindruckend beweglich und energievoll. Sensei Schneider lebte mehr­mals für einige Zeit in Japan und hat als ein­­ziger Nicht-Japaner Danprüfungen direkt beim Begründer des Karate-Do-Shotokai, Sensei Shigeru Egami, abgelegt.

AKSER International hat Mitgliedsvereine in Frankreich, Griechenland,Serbien, Schweiz und Österreich.

„Der Weg ist das Ziel – das Ziel ist der Weg“.

Wir versuchen, die individuelle Entwicklungs- und Leistungsfähigkeit der einzelnen Übenden zu berück­sichtigen und zu fördern, z.B. machen sportliche TeilnehmerInnen Übungen öfters oder schneller als die anderen.

Ein besonderes Kennzeichen unserer Übungseinheiten ist, dass im ersten Teil neben Dehnungs- und Kräfti­gungs­übungen spezielle KI-Übungen (Atem- und Zentrierungsübungen) vermittelt werden. KI heißt auf Deutsch u.a. „Lebenskraft“.

Es freut mich daher sehr, dass sich auch ältere Menschen für diese Kampfkunst begeistern lassen, einige unserer Übenden sind über sechzig Jahre alt.
Meine jüngste Studie (mit Dr. H. Unterrainer) bestätigt, dass auch ältere Menschen vom Karatetraining viel profitieren können.

Die größte Gruppe unserer Übenden sind die 30 – 50jährigen, aber auch jüngere ziehen intensiv mit, auch Eltern mit Kindern.

Dr. Günther Bitzer-Gavornik eh


K A T A

Zwei geschlossene Fäuste ruhen in sich selbst,
entspannt und doch voll Energie.

Der Körper, zu dem sie gehören, steht still,
leicht wie eine Feder, in sich versunken;
nur noch Geist.

Alles wartet, alles ist bereit und wach.
Plötzlich Bewegung und Entladung dieser Energie.

Fäuste wirbeln durch die Luft. Füße treten imaginäre Gegner.
Kampfschreie dröhnen!

Einen Augenblick später ist alles wieder ruhig.
Kata! – In höchster Vollendung.

(Aus Gerhard Odörfer „Unterwegs“)


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